Menschen bei uns

Es gibt viel für mich zu tun.

Rasmus H. arbeitet mit Freude in den Oberlin Werkstätten auf Hermannswerder.

„Applaus, Applaus, für Deine Worte. Mein Herz geht auf, wenn Du lachst. Applaus, Applaus, für Deine Art mich zu begeistern.“ Leise summt Rasmus H. den Refrain. Die Songs der Sportfreunde Stiller kennt er auswendig und spielt sie auf der Gitarre nach, bei einem Auftritt seiner Lieblingsband war er schon dabei. Großen Beifall – er selbst hat ihn auch bekommen, vergangenes Jahr. Als Schüler der Fachschule für Sozialwesen Hermannswerder und die Beschäftigten der Oberlin Werkstätten ein Theaterstück aufführten, mit Rasmus H. an der Gitarre.

Publikum ist der 27-Jährige gewohnt. Er spielt bei Andachten, die in den Werkstätten abgehalten werden, im Wechsel mit anderen musizierenden Kollegen. Zu Musik und der Arbeit in den Werkstätten kam er durch die Oberlinschule: Dort lernte er Gitarre spielen und während der Praktika Hermannswerder kennen

„Es ist so schön auf der Insel.“

Viel Wasser, viele Bäume, viel Backstein, „hier wollte ich schon immer arbeiten“. Sechs Jahre als Beschäftigter der Oberlin Werkstätten sind es schon. Wie viele tausende Fahrradkilometer er wohl schon in der Zeit gefahren ist? Zehn beträgt die Strecke zwischen Heimatdorf und Hermannswerder. Den Bus nimmt er nur, wenn der Winter tatsächlich kommt.

Arbeit ist so wichtig.

Zuhause bleiben. Für Barbara R. bedeutete das nie die Wohnung verlassen. Auf vierzig Quadratmeter schrumpfte ihre Welt. „So lange Zeit konnte ich nicht raus.“ Zum körperlichen Schmerz kam der seelische hinzu. Und heute?

Barbara R. arbeitet endlich wieder: Seit April 2013 ist sie bei den Oberlin Werkstätten, im Berufsbildungsbereich im Kombi-Service-Potsdam. Vorbei sei die schlimme Zeit des Grübelns in den eigenen vier Wänden. „Arbeiten ist doch so wichtig für mich“, sagt sie. Fast zehn Jahre lang konnte sie es nicht. Arbeit ist für die 49-Jährige viel mehr als nur klassischer Broterwerb geworden. Montageschlosserin hatte sie gelernt, gearbeitet jedoch alles Mögliche. Auf das Angebot der Oberlin Werkstätten machte sie ihre Betreuerin aufmerksam.

„Ich bin bereit, Neues zu lernen.“

Arbeit gibt Sicherheit und Standhaftigkeit.

Anneliese R. sitzt mir gegenüber und berichtet von ihrem Werkstattalltag. Ihre Augen strahlen, sie hat eine Aufgabe gefunden, fühlt sich standhafter, sicherer. Ihr Leben hat wieder einen Sinn. Die Arbeit in der Digitalisierungsabteilung macht ihr Spaß, besonders das Scannen, sagt sie. Das Falten von Anleitungen ist dann auch mal eine gute Abwechslung.

In der Gruppe ist Anneliese R. eher ruhig und zurückhaltend. Manchmal hilft hier eine kleine Unterstützung durch den Gruppenleiter um mit den anderen ins Gespräch zu kommen.

Regelmäßig geht Annelise R. einmal nachmittags in den SEKIZ (Selbsthilfe- Kontakt und Informationszentrum), um mal rauszukommen. Auch zum Zeichnen hat sie eine Gruppe gefunden. Gern möchte Annelise R. auch mal den Freitagssport in der Werkstatt ausprobieren.
Annelise R. weiß, dass sie jeden Tag herkommen kann, dass sie willkommen ist, das gibt ihr Sicherheit.

„…und beim nächsten Theaterprojekt mache ich wieder mit, ich freue mich schon auf die Proben“

Seit 2001 ist Annelise R. in der Werkstatt beschäftigt, anfangs im Montagebereich später dann im neu aufgebauten Digitalisierungsbereich. Auch im Werkstattrat war sie schon für 2 Wahlperioden mit dabei, sie schrieb die Protokolle, da konnte sie sich einbringen.

Lange war das nicht so, vor der Zeit in der Werkstatt, sagt sie, nachdem sie über 10 Jahre als gelernte Kleidungsfacharbeiterin, später auch als Sekretärin gearbeitet hat, kam die Krankheit, die sie aus allem Arbeitsalltag für Monate herausriss. Damals, so berichtet sie, habe sie ihren Halt und Mut verloren. Umso mehr spürt man ihre Freude, was sie bis heute alles erreicht hat.